Das Ziel vor Augen – buchstäblich. Bilder aus schlanken Tagen… Hilfreich oder nicht?

Es gibt mehrere Sorten von Leute, die abnehmen. Solche, die als jungen Menschen schlank waren, und jetzt die „im Alter“ (varibale Größe) angesammelten Pfunde zum Teufel jagen wollen. Oder die, die nicht per se übergewichtig sind, aber etwas ändern wollen. Die, die schon immer dick waren und jetzt den sagenumwobenen Grund der Schlankheit betreten möchten. Und dann eben jene, die erst dick waren, dann schlank, und dann wieder dick. Möglicherweise dicker als vorher. Hier melde ich mich mal. Immer irgendwie übergewichtig um die BMI 26, 27, dann 2 Jahre schlank um die BMI 21 und dann, hoppsa, BMI 32.

Nun habe ich nicht so viel Fotomaterial, wie ich haben könnte. Ich hatte damals zwar eine Digitalkamera, aber keinen eigenen Computer. Und es gibt ja so Fotos, die speichert man ungern auf dem elterlichen PC. In Unterwäsche eine Brücke schlagen, um nachher auf dem kleinen Bildschirm der Kamera die eigenen Rippen zu zählen, das ist so ein Motiv. Die Erinnerung an gelöschte Fotos brennt heiß. Was mir da alles durch die Lappen gegangen ist, wie viele Pixel ich verloren habe. Dann wiederum frage ich mich – wie ist das Verhältnis zwischen Motivation und Demotivation? Spornen mich die Fotos an, mein „altes“ Selbst – oohhhhhh, stopp stopp, meinen „alten“ Körper? Selbst? Körper? Unterschied? Ja? Nein? Vielleicht? Ich mag Toastbrot? – wiederzuerlangen? Oder schüchtern sie mich ein, sehe ich die Person und das, was sie geleistet hat, was sie war, als fremd, weg, tot, vergangen? Nicht-Ich?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich kann mich so schwer zurückfühlen, wenn ich die Bilder sehe. Zum einen kenne ich meine Gedanken, weiß, wie es mir ging, aber ich kann mich nicht an meinen Körper erinnern. Wie es sich angefühlt hat. Ich denke daran, wie ich auf meinem Sofa lag, mein T-Shirt zum Kinn hochgezogen. Ich starrte auf meinen Bauch, denn ich hatte da etwas bemerkt, zum ersten Mal. Über meinen Bauchnabel, der jetzt nicht mehr nur ein nimmer-endender Tunnel zu einer Mitte war, die ich doch nie sah – da pochte etwas. Unter meiner Haut. Hob sich, senkte sich. Eine Ader. Ein dicke, fette, blutgefüllte Ader, so stark und lebendig, dass sie mir fast ein Loch in den Bauch zu reißen schien, bereit hervorzuspringen und wild zu tanzen wie eine gerissenen Hochspannungsleitung. Bauchschlagader. Schon immer da, mein Körper am Netz, aber nie gesehen, nie bemerkt.

Momente wie dieser sind lebendig in meinem Kopf. Mein petrolfarbenes, abgewetztes Sofa, von den Nachbarn rausgeschmissen. Sommer. Wie dezent anstrengend es ist, im Liegen auf seinen Bauch zu starren, auch wenn der Kopf auf der Sofalehne liegt. Wie ich es dezent ignorierte, um mich anzuschauen, koste es, was es wolle, scheiß auf den gezerrten Hals. Scheiß auf den Hals, trari-trara, der Bauch ist da, und er hat seine Freundin die Bauchschlagader dabei.

Aber gleichzeitig kann ich mich auch an nichts erinnern. Wie es war, „leicht“ zu sein, oder zumindest nicht schwer. Ohne große Sorge Kleidung anzuprobieren. Das Gefühl, 50 Sit-Ups am Stück machen zu können – wie war das?

Wenn die Körpererinnerung ausbleibt, sind die Bilder doch nur leer. Nicht echt. Ein Pixelgewitter ohne Inhalt.

Und da haben wir es wieder, ich fange an zu schreiben ohne zu wissen, worauf ich hinauswill. Ich versuche es mal so: zum einen weiß ich, was mir möglich ist, zum anderen habe ich Angst, dass ich enttäuscht werde und mir die nicht erfüllbare(??) Erwartung in den Kopf setze, wieder wie 16 auszusehen, als hätte ich meinen Körper nicht im Wechsel gemästet und abnehmen lassen, immer mal wieder. Muss als Ergebnis reichen, Kinder.

Und weil das Auge mitisst (auch wenn es eh schon gegessen hat, weil ich das hier ja nicht vorlese und damit diese Redewendung KEINEN Sinn ergibt) – ein vorher-wunschnachher/vorher Bild. Weil ich gerne Nadeln in mein Fleisch treibe (nicht wirklich), habe ich mich in dasselbe Top gequetscht. Auch wenn man das nicht erkennt, da Foto 1 (2007) aus einer Digitalkamera stammt und Foto 2 (2015) aus meinem Laptopdeckel bei künstlichem Licht. Ist mir aber egal, ich will das jetzt machen, nicht morgen. Und merke gerade, dass ich einfach mein Jetzt-Bild in die Vorher-Position links geschoben habe, obwohl es nachher ist. Ha.

thenandnow

Die Hose auf dem Bild von 2007 war nicht meine und ein bisschen zu groß. Gehörte einer anderen, ich wollte sie nur mal anprobieren und konnte kaum fassen, dass sie mir passte und sogar ein bisschen zu locker saß. Und das bei mir, der Kleinen Dicken Raupe. Selbstwahrnehmung, Kinder, sie ist ein Biest.

Ich sollte weniger denken und mehr handeln.

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